Text nach Jürg Winkler (1992)
Seit dem 13. Jahrhundert war der Hirzel Teil der «Kilchhöri» Horgen. Die Anfänge eines kirchlichen Eigenlebens auf dem Berg gehen auf das 15. Jh. zurück. Zum Andenken an die Gefallenen des Alten Zürichkriegs von 1443 an der Letzi am Hirzel wurde am Kampfplatz eine dem heiligen Niklaus geweihte Kapelle gestiftet, in der dann die Hirzler zumindest an gewöhnlichen Sonntagen die Messe besuchen konnten. Dazu kam noch ein «Pfaffenhüsli», in dem ein Horgner Kaplan Wohnsitz nahm. An diesem Zustand änderte sich auch nach der Reformation nichts.
Den wiederholten Klagen der Hirzler, sie würden von den häufig wechselnden Geistlichen schlecht versorgt, und zudem sei ihre Kapelle für die wachsende Zahl der Einwohner viel zu klein, entsprach der Zürcher Rat erst anfangs des 17. Jahrhunderts. Im Hirzel gab es damals eine sehr aktive Täufer-Gemeinde, die mit ihrer «Irrlehre» in scharfem Gegensatz zur zwinglianischen Staatskirche stand. Eine fest gefügte Kirchgemeinde auf dem Berg zu haben, musste für den Rat auch wegen der besonderen Lage des Hirzels an der Grenze zur – oft feindlichen – kath. Innerschweiz von Bedeutung sein. Nach einem Augenschein im Frühjahr 1616 wurde unter Leitung von Amtmann A. Ziegler vom Fraumünsteramt mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen.
Als Bauplatz diente ein bereits früher beschlagnahmtes, wenig oberhalb der Kapelle gelegenes Täufergut. Sämtliche Kosten übernahm der Staat. Die Hirzler leisteten zwar willig Frondienst; irgendwelche Vergabungen blieben jedoch aus. Vermutlich am 14. September 1617 konnte die Kirche eingeweiht werden. Der erste Pfarrer amtierte noch von Zürich aus, weil das Pfarrhaus erst 1620 erbaut wurde. Kirche und Pfarrhaus sind noch heute in Kantonsbesitz; Kapelle und «Pfaffenhüsli» wurden schon vor langem abgetragen.
1999, am 26. Dezember, fegte das Sturmtief «Lothar» über die Schweiz. Bei den vielen Schäden, die in der ganzen Schweiz angerichtet wurden, blieb auch die Kirche nicht verschont. Der Kirchturm stand leicht «schräg» in der Landschaft. Als eine der Letzten, noch im Kantonsbesitz, wurde die Hirzler Kirche 2007 nochmals renoviert und steht heute hell und freundlich da. 2008 wird die Kirche zusammen mit dem Pfarrhaus vom Kanton Zürich an die Kirchgemeinde übergeben.